Geburtsberichte von Eltern
Verzaubert von der Stimme des Neugeborenen
Wartezeit und erste Wehen
Für Sonntag um 10:00 Uhr waren wir im Geburtshaus verabredet. Schon am Abend zuvor gingen mir viele Gedanken durch den Kopf: Was würde ich tun, wenn unser kleiner Sohn sich doch noch länger Zeit lassen würde und ich vielleicht nicht im Geburtshaus entbinden könnte? Ich spielte gedanklich verschiedene Szenarien durch und überlegte mir bereits, was mir in einer möglichen Kliniksituation wichtig wäre.
In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober begannen schließlich die Wehen. Gegen 5:00 Uhr morgens wurden sie so intensiv, dass ich sie schon bewusst veratmen musste. Ich blieb zunächst noch etwa eine Stunde liegen und atmete ruhig durch die Wehen hindurch. Sie waren allerdings noch unregelmäßig.
Um 6:00 Uhr ging ich in die Badewanne. Die Wehen wurden dadurch nicht stärker, aber ich konnte mich gut entspannen. Außerdem konnte ich zweimal auf die Toilette gehen – sowohl Urin als auch Stuhlgang. Da dachte ich mir: „Hey, cool – mein Körper entleert sich schon und bereitet sich vor.“
Am Morgen informierte ich sowohl die erste Hebamme als auch die zweite Hebamme, dass die Wehen begonnen hatten, allerdings noch unregelmäßig waren.
Ankunft im Geburtshaus
Gegen 10:00 Uhr machten Moritz und ich uns auf den Weg ins Geburtshaus. Dort begrüßten uns die erste Hebamme Ute sowie Anna, eine Hebammenstudentin. Ich setzte mich zunächst ans CTG und erzählte, wie der Morgen bisher verlaufen war. Während des gesamten CTGs hatte ich genau eine einzige Wehe – was uns alle zum Lachen brachte.
Danach gingen wir ins gelbe Geburtszimmer. Bei der vaginalen Untersuchung zeigte sich, dass alles sehr weich war und der Muttermund bereits etwa 3 cm geöffnet war. Das überraschte mich, denn die Wehen waren bis dahin sehr gut zu veratmen gewesen.
Ute führte anschließend eine Eipollösung durch. Danach blieb ich noch etwas liegen und Moritz massierte mir den Bauch, was sehr angenehm war. Allerdings bemerkten wir schnell: Immer wenn ich mich hinlegte, wurden die Wehen deutlich weniger.
Anschließend bekam ich einen hohen Einlauf, sodass ich mich noch einmal gut entleeren konnte. Kurz danach musste ich mich auch übergeben. Bei der nächsten Untersuchung war ich bereits bei 4 cm Muttermundöffnung, alles war wunderbar weich. Es wurde erwähnt, dass man den Muttermund auch weiter dehnen könnte, aber dazu bestand keine Notwendigkeit.
Moritz und ich verbrachten anschließend viel Zeit im Kursraum des Geburtshauses. Wir merkten schnell, dass uns die Bewegung sehr gut tat. Wir gingen dort viel auf und ab, sprachen miteinander und nahmen uns bewusst Zeit für jede Wehe. Der Raum fühlte sich für uns einfach nach einem guten Ort an, um die Geburt weiter voranschreiten zu lassen.
Zwischendurch wurde ich erneut untersucht und sollte mich danach auf die Seite legen. Doch auch diesmal ließ die Wehentätigkeit nach, sobald ich lag. Deshalb wurde uns schließlich noch kurz der Garten gezeigt. Dort waren wir allerdings nur wenige Minuten, weil es zu regnen begann. Immerhin konnte ich noch einen leckeren Apfel essen.
Die Geburt nimmt Fahrt auf
Irgendwann bekam Moritz großen Hunger und ging kurz zum Bäcker. Als er wieder zurückkam, stand ich an der Geburtswanne und veratmete meine Wehen, die inzwischen deutlich kräftiger geworden waren. Kurz darauf ging ich in den Vierfüßlerstand vor dem Bett, weil sich diese Position für mich besonders gut anfühlte.
Es wurde noch versucht, die Fruchtblase vorsichtig zu eröffnen, doch sie lag so eng am Kopf unseres Babys, dass nichts passierte – was auch völlig in Ordnung war, denn die Geburt entwickelte sich ohnehin sehr zügig. Zwischen den Wehen unterhielt ich mich über verschiedene Tönmöglichkeiten, die ich aus dem Yoga kannte. Als ich im Vierfüßler vor dem Bett war, kam auch die zweite Hebamme Maja dazu und blieb im Raum. Da wusste ich: Es dauert nicht mehr lange.
Die Wehen wurden immer intensiver und ich durfte schließlich sogar den Kopf unseres Babys fühlen. Kurz darauf setzte der Pressdrang ein – und kurze Zeit später kam unser viertes kleines Wunder zur Welt. Karl Eduard wurde am 5. Oktober 2025 um 16:41 Uhr im Vierfüßlerstand geboren, genauso wie zuvor schon seine große Schwester Rita.
Wir waren sofort verzaubert von seiner Stimme – denn die zeigte er direkt nach seiner Geburt. Nachdem ich ihn hochgenommen und mich auf das Bett gelegt hatte, durften wir erst einmal ganz in Ruhe als Familie ankommen. Kurz darauf durfte Moritz die Nabelschnur durchtrennen. Die Plazenta wurde um 16:50 Uhr geboren. Ich hatte einen Dammriss zweiten Grades, der genäht wurde. Anschließend wurden wir liebevoll mit Tee, Keksen und Kaffee versorgt.
Gegen 19:00 Uhr fuhren wir schließlich ganz entspannt nach Hause.
Für uns war es eine wunderschöne Geburt, bei der wir als Team ganz eng zusammengearbeitet haben. Moritz und ich haben sehr aufmerksam wahrgenommen, was der jeweils andere brauchte. Gleichzeitig fühlten wir uns von den Hebammen vor Ort wunderbar begleitet. Wir sind sehr dankbar, dass Ute, Maja und Anna uns bei der Geburt unseres Sohnes begleitet haben und diesen besonderen Moment mit uns geteilt haben.
Von Jill