Geburtsberichte von Eltern

Wie sagt man so schön, es kommt immer anders als man denkt. Geburt nach Verlegung mit PDA in der Klinik

Alles fing an am 01.02.2023, also ET+5, wie meine Freundin vorhergesagt hat. Um 5 Uhr morgens bin ich von einer leichten Wehe wach geworden und ab dann kam alle 10 Minuten eine Wehe. Ich wusste nicht genau, könnte es jetzt echt bald losgehen oder bilde ich mir das ein? Als mein Partner nachmittags von der Arbeit nach Hause, haben wir Pizza bestellt und sind spazieren gegangen, um die Wehen etwas zu beschleunigen. Beim Spazierengehen waren die Wehen alle 8-12 Minuten.

Um 23 Uhr abends bin ich zur Toilette gegangen und plötzlich fiel mir auf, dass ich blutigen Schleim auf dem Toilettenpapier hatte. Ich geriet etwas in Panik, rief meinen Partner und erklärte ihm was gerade passiert ist. Ich bin noch einmal duschen gegangen, habe mich frisch gemacht und danach haben wir im Geburtshaus angerufen. Ich wollte auf gar keinen Fall, dass wir dort hin und dann nochmal nach Hause fahren. Deshalb haben wir mit Andrea besprochen, dass ich noch mal versuche zu schlafen. Das hat auch bis 2:30 Uhr ungefähr funktioniert, dann wurde ich aber von einer extrem starken Wehe geweckt und die Wehen kamen plötzlich alle zwei bis drei Minuten.

Ich habe Andrea angerufen und wir vereinbarten eine Zeit, wo wir uns vorm Geburtshaus treffen wollten. Um 4:40 Uhr sind wir im Geburtshaus angekommen und ich habe mich sofort gut aufgehoben gefühlt, es war eine ganz besondere Atmosphäre dort, Kerzenschein, gedämmtes Licht, ein angenehmer Geruch, alles war einfach so entspannend für mich, so viel besser als Zuhause. Wir haben uns dort ins Bett gelegt und ich habe erstmal ein wenig versucht zu entspannen.

Ich habe es sehr gut geschafft, die Wehen zu veratmen und mich ganz und gar auf die aktive Geburtsphase einzulassen. Zunächst einmal hat Andrea alle Daten von mir aufgenommen und wir haben ein CTG geschrieben. Sie hat gefühlt, wie weit mein Muttermund schon geöffnet war. Mein Muttermund war da schon bei 4 cm und ich war so glücklich, dass ich schon so viel geschafft habe, alleine zu veratmen. Mein Partner war die ganze Zeit bei mir und hat versucht, mir die bestmögliche Unterstützung zu geben. Ich habe mich in die Badewanne gelegt und das heiße Wasser hat mir wirklich sehr gut getan.

Mein Partner saß ständig neben der Badewanne hat mir das Tuch wieder ins warme Wasser getaucht und auf meinen Oberkörper gelegt. Mit jeder Wehe merkte ich, dass sich etwas veränderte, ich wusste bald habe ich mein Baby im Arm. Im Wasser kam ein leichter Druck und meine Fruchtblase öffnete sich. Irgendwann musste ich Pipi aber konnte irgendwie nicht in der Badewanne, deswegen bin ich dann rausgegangen. Als ich auf der Toilette fertig war, breitete Andrea für mich auf dem Boden eine Matte aus mit einem Handtuch und ich versuchte mich dorthin zu knien und die Wehen zu veratmen.

Es war ein ständiges auf und ab, ständig musste ich aufstehen, um zur Toilette zu gehen. Bei jedem Toilettengang kam nun Blut und ich hatte so große Angst, dass irgendwas Schlimmes ist. Tamara beruhigte mich und sagte, dass es nichts Schlimmes wäre und der Schleimpfropf sich löse und es zeigen würde, dass der Muttermund sich immer weiter öffnet. Doch trotzdem hatte ich solche Angst und wusste nicht: Geht’s ihm gut? Mache ich irgendwas falsch? Wie kann ich es besser machen, damit er schneller rauskommt? Diese Gedanken gingen mir ständig durch den Kopf und ich wollte einfach nur, dass es ihm gut geht und vor allem, dass es mir auch gut geht. Ich wollte noch genügend Kraft haben, um ihn raus zu drücken, aber ich hatte das Gefühl umso mehr Zeit verging, desto weniger Kraft habe ich. Um 12 Uhr war mein Muttermund dann bei 10 cm Öffnung.

Ich wusste, es dauert nicht mehr lange, ich muss mich nur noch ein bisschen anstrengen und dann ist es vorbei, ich hätte es geschafft. Ich dachte zumindest, dass ich es geschafft hätte. Doch nach weiteren zwei Stunden hat sich nichts geändert. Tamara und Angelika kamen immer öfter rein, mussten mich unterstützen beim Atmen, mir Gegendruck im Steißbein geben, mir Übungen zeigen, wie ich die Wehen besser veratmen konnte. Denn so langsam verlernte ich auch das Atmen und ich bemerkte, dass ich nicht weiterkomme.

Irgendwann kam Tamara ins Zimmer und sagte mir, dass sie jetzt nochmal bei der nächsten Wehe fühlt, ob der Kleine nach unten rutscht und wenn er es nicht schaffen sollte, dann können wir es weiter durchziehen, bis er irgendwann da ist, es kann aber noch ein paar Stunden dauern oder ich lasse mich ins Krankenhaus verlegen. Ich würde dort eine PDA und etwas gegen meine Schmerzen bekommen und würde den Kleinen in der Klinik bekommen. Ich hatte so ein enttäuschtes Gefühl, aber gleichzeitig war der Gedanke ans Krankenhaus und daran, dass meine Schmerzen für kurze Zeit reduziert werden, sehr sehr gut und ich wusste, mir geht es dann besser.

Ich ließ Tamara nochmal fühlen, daraufhin kam Andrea dazu und fühlte auch und beide rieten mir dazu, ins Krankenhaus zu fahren. Niemand wusste, woran es liegt, dass der Kleine nicht durchrutscht trotz meiner starken Wehen. Im Krankenhaus angekommen, öffnete sich die Tür zum Kreißsaal. Auf einmal ein bekanntes Gesicht. Eine Freundin hat zur gleichen Zeit gearbeitet und fing mich halb auf und stützte mich. Wir sind in einen Kreißsaalraum und ich musste mich erstmal mit meinen Händen auf dem Bett abstützen. Ich habe direkt einen Zugang gelegt bekommen und mir wurden erst einmal Schmerzmittel gegeben, damit ein bisschen Ruhe einkehren konnte.

Der Arzt kam rein, um mich zu untersuchen.Er machte einen Ultraschall und schaute, warum es nicht weiterging im Geburtshaus, wenn der Muttermund seit über 2 Stunden bei 10cm offen war und ich eigentlich Presswehen hätte bekommen sollen. Irgendwann war es dann soweit, dass ich eine PDA bekommen habe. Ich durfte mich wieder hinlegen und ich bemerkte schon schnell einen Unterschied. Mein Becken entspannte sich, die Wehen wurden langsamer und schwächer und ich konnte ein wenig entspannen.

Wir haben nach 3 bis 4 wehen immer wieder umgelagert, mal rechts, mal links. Mal nur rechts, denn er musste sich eindrehen, damit es weitergehen konnte. Ich merkte die Wehen immer noch stark, aber durch die Pausen, bin ich etwas zur Ruhe gekommen. Sodass mir zwischendurch sogar ein bisschen die Augen zugefallen sind. Mein Partner hielt die ganze Zeit meine Hand und immer wenn eine Wehe kam, drückte ich seine Hand ganz fest.

Nachdem ich eine kleine Entspannung hatte, kam die Hebamme rein und erklärte mir, dass meine Wehen jetzt wieder stärker werden müssen und ich deshalb Oxytocin bekäme. Es wurde alles vorbereitet. Die Wehen wurden wieder stärker. Der Arzt, die Oberärztin, zwei Hebammen und mein Partner waren da, alle standen um mich herum und halfen mir beim Pressen und Halten. Die Wehen spürte ich leider nicht mehr so extrem trotz ausgeschalteter PDA. Ich sollte immer Bescheid geben, wenn eine Wehe kommt und konnte sie immer nur erahnen vom CTG, damit ich pressen, drücken und schieben konnte.

Jedes Mal kam der Kopf ein Stück raus, aber ging wieder rein. Damit der Kopf besser durchkommen konnte, wurde ein kleiner Dammschnitt gemacht, den ich gar nicht gemerkt habe. Nach zwei weiteren Wehen und dem stärksten Druck, den mein Körper jemals verspürt hat…Es war so krass, was mein Körper da geleistet hat. Ich bemerkte die Wärme, dieses glitschige schöne Gefühl. Ich konnte es gar nicht glauben. Mein Partner, sagte zu mir, dass unser kleiner Schatz auf meiner Brust liegt und ich habe es erst gar nicht realisiert.

Er hat dolle geweint und das erste was ich gesagt habe war „Nicht weinen mein kleines Baby.“ Die Nabelschnur durfte noch auspulsieren und dann durfte der Papa sie durchtrennen. Am 02.02.2023 um 19.21 Uhr hast du das Licht der Welt erblickt, mit 51 cm und 3.700 g und einem stolzen Kopfumfang von 39 cm, lagst du ganz erschöpft auf meiner Brust. Mein kleiner Schatz, wir haben es geschafft.

Von Sina